Interview Angelika v. d. Beek
Angelika von der Beek ist Diplom-Pädagogin und hat zehn Jahre lang in Hamburg Kitas und Kindergärten bei der Gestaltung von Spielplätzen beraten. Heute ist sie als selbstständige Beraterin in ganz Deutschland tätig und ist Publizistin, u. a. von „Kinderräume bilden: Ein Ideenbuch für Raumgestaltung in Kitas“ (2006). Als Lehrbeauftragte an der Universität Köln wirkt sie in zahlreichen Forschungsprojekten mit. Ihr Tipp an Nachbarn: Kinder wollen mehr Grün und bewegliche Sachen auf Spielplätzen.
Frau von der Beek, warum brauchen Kinder Spielplätze?
Kinder brauchen Spielplätze, um sich draußen sinnvoll und aktiv beschäftigen zu können. Spielplätze bieten Bewegungs- und Begegnungsmöglichkeiten, Kinder treffen auf Gleichaltrige, aber auch auf Jugendliche und kommen miteinander in Kontakt. Auf Spielplätzen haben Kinder vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten und die brauchen sie auch, denn heute gibt es nicht mehr so viele Orte, wo Kinder einfach spielen können.
Welche Defizite beobachten Sie auf Spielplätzen?
Zuallererst die Beseitigung der Natur. Natürlich kann ein Spielplatz kein Park sein, doch in den Außenbereichen und auch in kleineren Inseln in der Mitte eines Spielplatzes muss es Grün geben.
Was sollte auf Spielplätzen gepflanzt werden?
Keine Dornenbüsche, sondern Büsche, in denen Kinder sich verstecken können, wo sie sich den Blicken der Erwachsenen auch einmal entziehen, sich eine Höhle bauen können und Ähnliches. Auch niedrig wachsende Bäume, auf die Kinder klettern, bereichern einen Spielplatz. Aber es fehlen häufig einzelne Elemente der Natur wie z. B. Wasserquellen.
Experten kritisieren, Spielplätzen mangele es an „Gestaltbarkeit“. Was ist damit gemeint?
Es muss neben statischen Geräten bewegliche Sachen geben. Zum Beispiel Autoreifen und Bretter, aus denen Kinder sich eine Wippe bauen können. Oder große Balken zum Rutschen. Der Vorteil für die Kinder besteht darin, dass sie diese Sachen beliebig miteinander kombinieren und auch mal in den Schatten tragen können. Weil es aber mit beweglichen Sachen Probleme geben kann wie z. B. Diebstahl, fehlt es vielen Spielplätzen an solchen Elementen und damit an Gestaltbarkeit.
Wie lässt sich dieses Problem lösen?
Es gibt keine einfache Lösung dafür. Man kann nicht alles zugleich haben: den höchsten Sicherheitsstandard, aber auch einen hochinteressanten Spielplatz, das geht nicht zusammen. Also: eine ausgewogene Balance zwischen Sicherheit und schlichten, aber interessanten Spielmöglichkeiten schaffen, das ist mein Rat.


